Diskriminierung am Arbeitsplatz?

Shownotes

Unsere Beschwerdestelle nach dem AGG ist die Anlaufstelle für alle, die Benachteiligung nicht hinnehmen wollen.
In dieser Folge sprechen wir mit der Ansprechperson unserer Beschwerdestelle darüber, wer sich melden kann, wie Beschwerden aufgenommen und bearbeitet werden und welche Konsequenzen das haben kann.
Was passiert wirklich, wenn man eine Beschwerde einreicht? Wie schützt das AGG Betroffene konkret? Antworten gibt’s klar, offen und praxisnah.
Jetzt reinhören und erfahren, wie wir gemeinsam für Fairness und Respekt sorgen.

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen bei Let's Talk About, dem Podcast der Gleichstellungsbeauftragten der Polizei Niedersachsen.

00:00:05: Hier sprechen wir über wichtige Themen rund um Gleichstellung, Hiversität und Chancengleichheit.

00:00:11: Unser Ziel ist es

00:00:12: uns mit Expertinnen und Experten auszutauschen für mehr Gleichberechtigung und ein respektvolles Miteinander.

00:00:19: also lass uns reden und lasst uns gemeinsam etwas bewegen.

00:00:24: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Let's Talk About.

00:00:28: Ich bin Katrin, komme aus der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen

00:00:32: Und ich bin Kim und komme ebenfalls aus der ZIP-BD.

00:00:35: Heute haben wir eine Ansprechperson in der Beschwerdestelle der Zentrale Polizei Direktion bei uns.

00:00:39: Herzlich Willkommen Victoria.

00:00:41: Hallo Kim, hallo Katrin.

00:00:42: Danke für die Eindeilung!

00:00:44: Victoria kannst du dich bitte vorstellen und erklären was du bei deiner Arbeit machst?

00:00:50: Ja also ich bin meiner Alltagsfunktionen, Leiterin des Dezernatsrechts in der zentralen Polizeidirektion.

00:00:57: Das heißt wir kümmern uns um alle rechtlichen Dinge die hier so anfallen und im Nebenamt bin ich seit Oktober zwanzig dreiundzwanzig eine der zwei Ansprechpersonen der Beschwerdestelle.

00:01:08: nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz hier in der ZBD

00:01:12: Wie wird man Leiterinnen des Deezernatsrecht?

00:01:14: Was hast du für eine Berufsausbildung mitgebracht um diesen Job zu machen?

00:01:19: Ich bin Juristin und habe mich damals beim Land Niedersachsen beworben.

00:01:23: Und bin dann nach etlichen anderen Stationen bei der Polizei Niednersachsen gelandet.

00:01:28: Das frage ich deshalb, damit man das so ein bisschen einordnen kann was du so mitbringst für diese doch sehr besondere Aufgabe?

00:01:35: Wir glauben dass unsere Hörerinnen und Hörern vielleicht das Wort Beschwerdestelle noch nie gehört haben.

00:01:41: Deshalb finden wir ist es eine neue Ausgabe von diesem Podcast wert und werden uns heute die Zeit nehmen mal auf den Was ist das eigentlich, was passiert da?

00:01:52: Wofür brauchen wir eine Beschwerdestelle?

00:01:53: Victoria, erzähl mal.

00:01:55: Ja also es ist so dass das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vorschreibt für jeden Arbeitgeber eine Beschwertestelle einzurichten.

00:02:04: Das AGG hat halt die Funktion Diskriminierung zu verhindern und zu beseitigen Die im Kontext mit dem Arbeitsleben entstehen können.

00:02:15: Und

00:02:16: die Beschwerdestelle hat so zwei Funktionen.

00:02:18: Auf der einen Seite hast du eben für den einzelnen Arbeitnehmer, für den Einzelnen Beschäftigten die Funktion das er seine Rechte durchsetzen kann, nämlich eben dass wenn er von einer Diskriminierung betroffen ist, dass diese beseitigt wird.

00:02:34: auf der anderen Seite es ist aber auch so, dass der Arbeitgeber also in unserem Fall jetzt die Behördenleitung ja auch wissen muss ob Diskriminierungen passiert bei uns und diese dann auch beseitigen kann.

00:02:51: Weil es eine Pflicht von ihm ist, dass es in seinem Bereich keine Diskriminierung gibt.

00:02:57: So sagt es jedenfalls das AGG.

00:02:59: Ich habe kurz noch Rückfrage.

00:03:00: Bei uns arbeiten ja so grob zwei tausend zweihundert Mitarbeitende.

00:03:05: Wenn ich mir jetzt einen Betrieb vorstelle wo zehn oder zwanzig Leute arbeiten müssen die sich dann eine Juristin leisten?

00:03:11: Die sich künftig um die Beschwerdestelle kümmert.

00:03:14: Also grundsätzlich ist es so, dass jeder Arbeitgeber der einen Mitarbeiter hat.

00:03:18: Da reicht doch, dass es ein Mitarbeiter gibt, der muss eine Beschwerdestelle bei sich installieren.

00:03:23: Das kann er sich natürlich auch extern einkaufen weil natürlich jetzt eine Person Identität mit Chef und Beschwerdestellte vielleicht in vielen Fällen nicht sehr praktikabel ist.

00:03:35: Wer kann sich denn an euch wenden?

00:03:37: Und was sind denn so typische Sachverhalte die auf euch zukommen könnten?

00:03:41: also Es ist so das ich eigentlich jeder an die Beschwerdestelle wenden kann, der bei uns arbeitet.

00:03:48: Also das ist egal ob es Verwaltung ist, ob es Tarif ist oder ob es Vollzug ist.

00:03:53: Es ist egal, ob ein Beschäftigter am höheren Dienst ist oder ein Azubi.

00:03:59: Selbst Beschäftige, die nicht mehr bei uns arbeiten können sich immer noch an die Beschwerdestellen wenden.

00:04:05: Das ist also sehr weit gefasst.

00:04:06: der Begriff und die Befugnis sich an die typische Sachverhalte, die so an eine Beschwerdestelle herangetragen werden kann ich gar nicht genau sagen.

00:04:23: Also jedenfalls nicht aus der eigenen Erfahrung weil wir eine sehr geringe Anzahl an Fällen haben in der Beschwerdestellung der ZPD sodass sich da jetzt keine allgemeinen Sachverhalt des Schildern könnte.

00:04:36: Du hattest ja gesagt, dass das Gesetz auch vorgibt.

00:04:41: Was für Ereignisse überhaupt unter das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz fallen?

00:04:46: Magst du das vielleicht mal kurz erklären?

00:04:48: was für Diskriminierungsfälle sind denn eigentlich von diesem Gesetz geschützt?

00:04:52: Genau, also es ist so dass das AG vor Diskriminierung schützen sollen aus sieben Gründen.

00:04:59: Das ist einmal der Rasse, eine Diskriminierungen wegen der ethnischen Herkunft des Geschlechts, der Religion oder der Weltanschauung oder einer Behinderung oder des Alters und der sexuellen Identität.

00:05:11: Also immer wenn Grund für die Diskriminierung ist, dass AGG einstägig.

00:05:17: Also wenn jetzt als Beispiel jemand diskriminiert wird und schlechter behandelt wird weil er einen Migrationshintergrund hat dann wäre das AGG einschlägig oder weil die Person eine Frau oder ein Mann ist würde sich schlechterbehandeln dann wäre auch das AG G einschläglich.

00:05:33: Vielleicht noch mal kurz zur Erklärung, wer jetzt gerade geschluckt hat bei dem Wort Rasse.

00:05:37: Uns geht es halt immer so wenn wir das Wort hören.

00:05:40: So steht es im Gesetz drin und deshalb ist auch die Formulierung eben von Victoria gewesen, wenngleich wir alle finden dass das nicht so ganz elegant klingt.

00:05:53: Gibt es denn Fälle bei denen du nicht zuständig bist wo Leute zu dir kommen?

00:05:57: Und du dann wirklich sagen musst das ist kein Fall für die Beschwerdestelle?

00:06:01: Ja, das sind dann eher so typische Fälle des Mobbings.

00:06:05: Also Mobbing kann unter das AGG fallen und auch in die Zuständigkeit der Beschwerdestelle aber es kommt halt immer auf den Grundes Mobbungs an.

00:06:14: Mobbing ist natürlich per se keine Verhaltensweise, die akzeptabel ist.

00:06:19: Aber man muss mal differenzieren, mobbe ich jemanden?

00:06:22: Aufgrund dieser genannten Merkmale, die ich vorhin aufgezählt habe oder mobbe Wenn ich ihn aufgrund einer dieser Merkmale morbe, dann fällt uns das AGG.

00:06:37: Ansonsten haben wir natürlich auch noch andere Möglichkeiten um dieses Verhalten zu unterbinden und zu sanktionieren.

00:06:43: also wir haben ja auch in der zpd eine dienstvereinbarung faires verhalten am arbeitsplatz die solches verhalten sagen ich mal sanktioniert und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, wie damit umgegangen werden kann.

00:06:56: Und uns klar

00:06:57: auch verbietet?

00:06:58: Genau, verbietet!

00:06:59: Und das muss man immer so ein bisschen unterscheiden.

00:07:04: ist es halt jetzt ein AGG-Fall oder ist es kein AGG Fall?

00:07:08: aber man ist dann auf alle Fälle nicht schutzlos.

00:07:11: wenn es jetzt nicht unter das AGG fällt und dadurch dass wir ja auch in der ZPD ganz gut vernetzt sind unter den Beratungsstellen wüsste ich dann oder wir auch, in einem Fall des klassischen Mobbings ohne AGG-Bezug an wen sich die Person werden kann und würden dann auch unterstützen.

00:07:28: Das heißt als betroffene Person muss gar nicht selber wissen wer jetzt genau für mich zuständig ist und ich kann erst mal zu dir hingehen meinen Sachverhalt schildern und dann sagst du bist zuständig?

00:07:39: Genau!

00:07:40: Du hast den Beschwerdeweg gut beschrieben.

00:07:42: aber was passiert denn am Ende wenn du wirklich feststellst hier liegt eine Diskriminierung vor.

00:07:47: Also wenn wir das Ermittlungsverfahren abgeschlossen haben, es steht am Ende des Ergebnisses liegt eine Diskriminierung vor.

00:07:56: Dann würden wir als Beschwerdestelle einen Vorschlag unterbreiten für Maßnahmen die die Behördenleitung trifft.

00:08:04: also es trifft nicht die Beschwerdestelle jetzt irgendwelche Maßnahmen sagt so dass ist der weitere Weg sondern es geht dann zur Behördeleitung und die entscheidet was machen wir in dem konkreten Fall?

00:08:15: Und diese Maßnahmen können ganz vielfältig aussehen.

00:08:19: Es gibt niedrigstellige Maßnahmen wie zum Beispiel, es wäre ein Gespräch geführt.

00:08:24: Es gibt verpflichtende Fortbildungen für den der diskriminiert hat.

00:08:30: Es können arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen, dienstrechtliche Kesequenze im schlimmsten Fall sogar strafrechtlichen Konsequenten das heißt zb eine Anzeige erstattet werden.

00:08:41: Das kommt immer auf den Einzelfall an und ist natürlich auch immer im Kontext der Verhältnismäßigkeit zu sehen.

00:08:47: Das heißt, in dem Moment wo du sagst hier liegt eine Diskriminierung vor das von der Dienststelle bestätigt wird also von der Behördenleitung.

00:08:53: In unserem Fall würde dann der Vorgang als nächstes in die Personalstelle gehen wo er dann arbeitsrechtlich bewertet wird um zu schauen was machen wir jetzt hier mit dieser Person?

00:09:03: Genau wenn das jetzt eine Maßnahme wäre für die sich entschieden wird dann wäre das so.

00:09:08: Es ist ja nochmal eine wichtige Information

00:09:11: Victoria.

00:09:11: bei uns im Beratungskontext wenden sich Personen an uns, die von Sprüchen berichten.

00:09:16: Die grenzwertig oder sogar grenzüberschreitend sind und die Aussage von den Leuten, die die Sprüche getätigt haben ist am meisten.

00:09:24: das war doch nicht so gemeint oder ich hatte einfach einen schlechten Tag.

00:09:28: was wäre dein Tipp?

00:09:29: Wie sollte man sich in dem Fall verhalten?

00:09:32: also das erste was mir dabei einfällt es immer wenn man's nicht so meint dann muss man auch nicht sagen Das zweite, was ich als Tipp geben kann ist immer zu kommunizieren.

00:09:44: Es ist ganz wichtig demgegenüber der einen so ein Entspuch getätigt hat zu sagen das finde ich nicht in Ordnung.

00:09:50: dieser Spruch verletzt mich der macht etwas mit mir und er macht ein schlechtes Gefühl weil nur so kann ich ihm die Möglichkeit geben sein Verhalten zu reflektieren Und auch seinen Verhalten anzupassen.

00:10:02: wenn ich es nicht sage dann passiert auch nichts.

00:10:04: er macht aber nächstes mal den spruch.

00:10:06: Natürlich muss man dann immer gucken, wann ist die Grenze überschritten.

00:10:10: Dass ich nicht nur kommuniziere sondern auch handle und dann mich auch gegebenenfalls an Stellenwände, die mich unterstützen können.

00:10:18: Oftmals finden solche Sprüche auch im relativ intim privaten Kontext statt das heißt es sind vielleicht nur zwei Personen vor Ort.

00:10:28: Wie gehst du damit um wenn zwei Personen komplett unterschiedliche Versionen erzählen?

00:10:34: Das ist natürlich eine schwierige Situation.

00:10:36: Die haben wir natürlich auch immer in anderen Kontexten, sei es wenn man jetzt dienstrechtliche oder arbeitsrechtliche Verfahren hat und wenn man im Strafverfahren ist dann ist das ja auch meistens.

00:10:46: der eine sagt so und der andere sagt es so.

00:10:48: Wir als Beschwerdestelle sind ne neutrale Stelle,

00:10:51: d.h.,

00:10:51: wir stehen auf keiner Seite.

00:10:54: Und unsere Aufgabe ist es im Prinzip vielleicht etwas überhöht zu sagen aber wie einer Ermittlungsbehörde zur Handeln also den Sachverhalt der uns geschildert wird ausführlich zu ermitteln und belastendes und endlastendes einfach herauszufinden.

00:11:10: Dafür hören wir natürlich die Personen an, die sich an uns wendet dafür hören wir aber auch den mutmaßlich Diskriminierenden an.

00:11:20: es können aber auch Zeugen gehört werden und da versuchen wir einfach uns dann den Sachverhalt so bekannt zu machen, dass wir dann am Ende eine Entscheidung treffen liegt hier eine Diskriminierung vor oder nicht.

00:11:38: Als Gleichstellungsbeauftragte erleben wir immer wieder Situationen, wo es um das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geht.

00:11:45: Und was damit einhergeht ist ganz schnell diese Annahme, dass sich jemand etwas ausgedacht hat.

00:11:54: Wie ist deine Position dazu?

00:11:55: Denken Sie sich die Leute das aus und wollen endlich mal jemandem anders einen auswischen?

00:11:59: Ich kann's natürlich nicht ausschließen!

00:12:01: Das passiert nicht... Aber dadurch, dass das Beschwerdeverfahren schon ein sehr stark formalisiertes Verfahren ist wo wirklich diese ganzen Schritte die ich gerade schon eben skizziert habe stehen.

00:12:13: Also es werden Zeugen angehört oder können angehört werden.

00:12:19: Es wird der mutmaßlich Diskriminierende, der wird befragt.

00:12:25: Das sind glaube ich sehr viele Schritte Die man gehen muss und Ich kann mir schwer dich vorstellen, dass man das auf sich nimmt.

00:12:33: Wenn nicht jedenfalls das persönliche Gefühl vorher schlicht bin diskriminiert worden und man denkt sich das alles nur aus.

00:12:43: also ich natürlich man kann es nicht ausschließen aber ich glaube die Hürden sind sehr hoch.

00:12:48: in unserer Beratung kommen Personen oft Mit dem Wunsch zu uns, dass alles anonym bleibt und man vielleicht einfach nur drüber spricht.

00:12:57: Aber nichts nach außen kommt.

00:12:58: Nichts an die Führungskräfte und vor allem nicht an den Täter.

00:13:02: Den Täter kommt das man sich an uns gewandt hat.

00:13:06: Wie ist es denn bei dir?

00:13:07: Wenn du beschreibst, wie das Verfahren oder der Beschwerdeweg ist, dann erzählst du ja sehr komplex.

00:13:12: Es ist sehr öffentlichkeitswirksam.

00:13:14: Es werden Leute bespragt und Führungskräfte in Kenntnis gesetzt.

00:13:18: Kommen Leute zu dir und schildern dir, dass sie Angst haben was denn am Ende mit ihnen vielleicht auch passiert, was im Zwischenmenschlichen passieren könnte.

00:13:28: Ja, ich glaube das ist die größte Angst.

00:13:31: Die Personen haben die mit dem Gedanken spielen zur Beschwerdestelle zu gehen und dass es auch das größte Hindernis dann wirklich diesen Schritt zu wagen und so sagen ja Ich nenne dieses Problem jetzt einer öffentlichen Stelle Das ist ja irgendwie eine Institution Und ich kann diese angst natürlich nicht nehmen.

00:13:53: Ängste sind subjektiv anders ausgeprägt bei jedem einzelnen.

00:13:58: Ich kann nur sagen, dass das AG da auch ein bisschen vorbeugt.

00:14:03: In dem es so ein Maßregelungsverbot aufgestellt hat.

00:14:06: Das heißt wenn ich zur Beschwerde stelle G, kann mir daraus kein Nachteil erwachsen.

00:14:09: Das klingt jetzt natürlich sehr ... ... theoretisch.

00:14:12: Ja, sehr schön theoretisch und formal juristisch.

00:14:19: Ich bin der Überzeugung, dass dies auch so praktiziert wird... Ich kann das jetzt aus meiner Erfahrung auch mit unserer Behördenleitung so sagen, dass es ernst genommen wird und natürlich wir als Beschwerdestelle auch darauf gucken.

00:14:36: Was passiert mit der Person die bei uns eine Beschwerde einlegt?

00:14:39: Wir haben nicht die großen rechtlichen Möglichkeiten irgendwas gegen zu tun aber wir könnten darauf aufmerksam machen wenn etwas schief läuft.

00:14:50: Aber natürlich die Angst kann ich nicht nehmen immer trotzdem zu kommen und den ersten Schritt zu wagen, ob dann am Ende eine Beschwerde steht die man formal einlegt.

00:15:00: Das ist ja noch mal ganz anderes.

00:15:03: Oder man kann ja auch erstmal sich eine andere Institution wenden.

00:15:07: In so einer großen Behörde wie bei uns, da ist auch immer ganz schnell der Begriff des Netzbeschmutzers im Raum.

00:15:14: Das heißt also wir sind ein großes Team Wir arbeiten alle eng miteinander und dann gibt es eine Situation wo jemand wo es zu einem Fehlverhalten kam Und eine andere Person ist betroffen für sich selbst, das war jetzt nicht in Ordnung.

00:15:28: Und ich glaube es ist ein wahnsinnig langer Prozess den die Menschen durchmachen müssen wo ihr auch oftmals Verhalten eskaliert.

00:15:35: also wenn ich keine Grenzer fahre bei meinen Sprüchen die ich gebe dann traue mich ja nächste Woche und nächsten Monat noch viel mehr und daraus erwächst natürlich auch eine besonders belastende Situation für die Opfer weil sie halten stille Sie möchten keine Nestbeschmutzer sein und eigentlich wird alles nur noch schlimmer.

00:15:58: Das heißt, dieses Wäret den Anfängen wäre wirklich unser gemeinsamer Nenner wo wir als Beratungsstellen laut werden müssen und sagen bitte kommt schnell und früh zu uns.

00:16:10: genau das glaube ich auch eine Pflicht die jeder einzelne von uns hat.

00:16:14: also sei es vorgesetzter sei es Kollege einfach zu unterstützen wenn ich mitbekomme hier passiert passieren Sprüche, die nicht in Ordnung sind.

00:16:25: Hier geschieht diskriminierendes Verhalten, dass ich aufstehe und sage das geht so nicht.

00:16:30: Dass ich meine betroffenen Kolleginnen, meine betroffene Kollegin da beileite stehe eben damit dieses Verhalten nicht weiter fortgesetzt wird.

00:16:40: Ich glaube das ist auch ganz wichtig

00:16:42: Und du hattest ja anfangs schon gesagt, dass wir im Moment zum Glück ganz, ganz wenig bekannte Fälle haben die bei der Beschwerdestelle gemeldet wurden.

00:16:51: Aber wir als Beratungs-, also als Kolleginnen und Kollegen, die im Beratungskontext unterwegs sind müssen da natürlich mitdenken das es vielleicht deshalb so wenige Fälle sind weil die Menschen diesen einen ersten Schritt eben noch nicht gegangen sind?

00:17:05: Genau!

00:17:05: Und weil vielleicht auch viele gar nicht wissen, dass es uns gibt.

00:17:08: Also ich glaube die Beschwerdestelle läuft noch sehr unterm Radar.

00:17:12: Deswegen ist es auch ganz gut, dass ich hier heute sitze und mit euch sprechen kann weil glaube ich vielen gar nicht klar für was wir zuständig sind und auch nicht klar ist das wir wirklich ein Beratungsnetzwerk sind ob es Personalrat, Gleichstellungsbeauftragten und regionale Beratungsstellen ist.

00:17:31: Dass wir uns austauschen, dass wir wissen was macht der andere?

00:17:34: Wo kann der andere jeweils unterstützen?

00:17:35: Und wo kann man auch vielleicht so Energien erzielen.

00:17:39: in einem konkreten Fall

00:17:40: Weil ich ja auch eine enge Vertrauenssituation benötige, wenn ich zu dir hingehe im Alltag überhaupt nichts mit dir zu tun habe.

00:17:48: Dich vielleicht überhaupt nicht kenne und jetzt muss sich im übertragenen Sinne die Hosen runterlassen und erzählen was mir alles Früchterliches widerfahren ist.

00:17:58: das ist ja auch wirklich eine schwierige Situation da offen und ehrlich Farbe zu bekennen

00:18:04: Ja dass es glaube ich auch ein großes Problem war jetzt eben höchstpersönlichem Bereich betreffen kann und dass es halt auch um meine Gefühle geht, dass es um vielleicht auch Sachverhalte geht die mit meiner sexuellen Identität zusammenhängen.

00:18:22: Und das jemandem Fremdes zu erzählen dann vielleicht auch noch einer Person, die ich gar nicht kenne, die eine in ihrer Hauptamt eine andere Funktion hat Das ist schon schwierig.

00:18:38: Ich kann halt nur sagen, dass wir versuchen eine vertrauensvolle Situation zu schaffen.

00:18:43: Dass sich die Personen auch öffnen können wie sie es halt möchten.

00:18:47: Manchmal braucht es auch ein bisschen Zeit und dann muss man nochmal ne Nacht drüber schlafen.

00:18:51: Muss ich vielleicht auch noch mal mit jemandem anderen austauschen um dann nochmal einen Schritt

00:18:56: weiterzugehen.".

00:18:57: Und anonymen Zettel dir unter der Büro-Tour durchschieben das würde nichts bringen?

00:19:02: Das würde ich jetzt nicht sagen.

00:19:04: Also es gibt keine Pflicht, eine Beschwerde sozusagen mit seinem Klarnamen einzulegen.

00:19:11: Man kann das auch anonym machen.

00:19:13: natürlich muss man aber wissen oder sich bewusst sein dass die Erfolgsaussichten wenn ich das so nennen kann Nichts hoch sind weil Ich habe sehr vorhin schon so ein bisschen erläutert wie läuft so ein beschwerter Verfahren ab?

00:19:28: da kann ich mir schwer vorstellen, dass jemand eine Beschwerde so anonym formulieren kann, dass keine Nachfragen offen bleiben.

00:19:37: Dass man nicht noch mal in die Tiefe geben muss.

00:19:39: und natürlich muss sich ja auch demjenigen der beschuldigt wird eine Diskriminierung begangen zu haben.

00:19:46: Die Möglichkeit geben sich zu verteidigen seine Sicht der Dinge zu schildern und das kann er aber eigentlich nur wenn er genau weiß, um welche Situation geht es dann?

00:19:55: Und so allgemein anonyme Beschwerde zu machen, bringt mich da halt nicht weiter.

00:20:03: Also das ist halt das Problem.

00:20:06: natürlich bevor man gar nichts macht und sich gar nicht an die Beschwerdestelle wendet, ist es natürlich ein Schritt.

00:20:12: aber man sollte sich das gut überlegen ob man nicht doch das unter dem Klarnamen macht.

00:20:19: Und

00:20:21: dabei helfen wir ja auch jeden Tag.

00:20:23: Also du hattest ja schon gesagt, dass wir eng zusammenarbeiten und in den Beratungsgesprächen die bei uns als im Gleichstellungsbüro anfallen versuchen wir die Personen zu stärken und ihnen die nötigen Mut und das Durchhaltevermögen zu vermitteln.

00:20:41: Wir sind an ihrer Seite.

00:20:42: Wir helfen bei diesem Gang und bei diesem Weg und von daher glaube ich müssen wir diese Sorge vielleicht gar nicht überdramatisieren.

00:20:52: Genau, und ich glaube was ich auch noch mal dazu sagen muss damit das nicht irgendwie in falschen Kontext bekommt natürlich schützt die Beschwerdestelle auch die Person die sich an uns wendet.

00:21:06: also wir gehen jetzt nicht rum und sagen also der und er hat sich beschwert über den und denen und der Sachverhalt ist da vorgelegenes betrifft alles nur einen kleinen Kreis von Leuten involviert sind, nur das Nötigste wird nach außen getragen.

00:21:22: Ich muss jetzt nicht den sechsten oder sieben Zeugen vernehmen wenn ich schon von den ersten fünf den Sachverhalt gleich geschildert bekomme.

00:21:35: Da wird schon versucht diese Außenwirkung so gering wie möglich zu halten.

00:21:42: aber das geht natürlich bis zur gewissen Maße.

00:21:45: Und vielleicht hilft ja dieser Podcast oder diese Folge auch insbesondere, dass sie die Angst dem kann vor dem Beschwerdeweg, vor dem großen Unbekannten.

00:21:54: Was passiert denn wenn ich mich an dich wende?

00:21:56: Weil das haben wir ganz oft im Beratungskontext, dass die Leute wissen wollen Ja was könnte denn passieren, wenn nicht mich Anführungskräfte wenden?

00:22:03: Was ist denn das Worst Case Szenario?

00:22:06: und Du hast jetzt ganz viel von dem Beschwärdeweg erzählt und vielleicht klärt das nochmal ein paar Fragen in den Köpfen, die vielleicht auch dann eher Hemmungen darstellen sich wirklich an dich zu wenden.

00:22:18: Ja und ich glaube man sollte das auch umdrehen!

00:22:20: Man sollte nicht sagen was ist der Worst Case?

00:22:22: Was passieren kann sondern was ist Der Best Case?

00:22:25: Und der Best Case ist... Ich wehne nämlich an die Beschwerdestellung.

00:22:28: hier wird geholfen und das diskriminierende Verhalten hört auf so dass es halt ... Da sollte man eher den Blick drauf werfen.

00:22:37: Und ich möchte halt gerne, dass hier keiner auf Arbeit kommt mit einem schlechten Gefühl weil er diskriminiert wird und das ist halt das Ziel einfach der Beschwerdestelle und auch die ihre Funktionen.

00:22:53: Ich glaube, das ist einfach so.

00:22:55: der Fokus dem man einnehmen sollte vor dem Blickpunkt.

00:23:00: Du hattest vorhin schon gesagt, das Beste was wir tun können ist kommunizieren und handeln.

00:23:05: Da würde ich gerne nochmal darauf zurückkommen wollen weil wenn wir jetzt darüber sprechen viele Situationen eskalieren und wenn ich mich heute nicht traue was dagegen zu sagen und morgen auch nicht dann wird alles nur noch schlimmer.

00:23:19: wäre es nicht immer die eleganteste Lösung.

00:23:22: Wir würden so gut präventiv tätig werden, dass erst gar keiner auf die Idee kommt andere Kolleginnen und Kollegen zu diskriminieren.

00:23:29: Magst du gerne noch mal zu dem Präventionsaspekt was sagen?

00:23:34: Schreibt das AGG nur vor, dass wir ja sanktionieren oder ist das AG G auch dafür zuständig Hausaufgaben zu verteilen,

00:23:49: Ich glaube, das ist eine Wunschvorstellung.

00:23:51: Dass es nicht zur Diskriminierung kommt weil das in einem Miteinander leider nicht auszuschließen ist.

00:24:00: aber ich glaube durch das AG wird ein Bewusstsein dafür geschaffen Und auch durch die Einrichtung einer Beschwerdestelle, dass das nicht in Ordnung ist zu diskriminieren.

00:24:10: Dass das zu sanktionieren ist und gewisser Weise hilft es der Prävention.

00:24:17: aber ich denke wir als Behörde tun schon sehr viel präventiv um Diskriminierung vorzubeugen.

00:24:24: Wir haben die Dienstvereinbarungen faires Verhalten am Arbeitsplatz die ich schon genannt habe Wir machen Fortbildungen Wir schaffen einen Bewusstsein gegen Diskriminierungen.

00:24:36: Ich denke, dass dann die Beschwerdestelle und das AGG halt ein weiterer Baustein sind dafür.

00:24:42: Es ist halt so ein Mindset, dass ich irgendwie für mich als Mitarbeiterin einer Dienststelle weiß.

00:24:48: Hier gibt es Spielregeln und an die haben wir uns zu halten.

00:24:51: Und wenn jemand die Spielregel nicht einhält dann bin ich als Betroffene nicht das Problem sondern das Problem liegt auf der anderen Seite.

00:25:00: Ich glaube das ist etwas was uns nicht jeden Tag gleich gut gelingt.

00:25:04: aber mein Eindruck ist tatsächlich auch, dass wir einiges tun und ja wir wollen mit diesem Podcast darüber informieren und auch werben diesen Weg zu gehen.

00:25:16: Niemand ist alleine, wenn er sich auf den Weg macht und wir stehen ja irgendwie auf der richtigen Seite der Vorschrift des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes aber auch der Dienstvereinbarung und deshalb ist unser Ziel alle mal dafür zu sorgen dass wir gute Arbeitsbedingungen schaffen wo wir alle jeden Tag gerne hingehen.

00:25:36: Das hast du schön gesagt!

00:25:38: Ist das

00:25:40: unser Schlusswort?

00:25:42: Ja, dann bedanken wir uns dafür dass du zu uns ins Studio gekommen bist und über diesen doch sehr intensiven Austausch.

00:25:50: Und alle die uns jetzt zugehört haben und dazu Fragen haben können sie gerne adressieren an den Podcast oder auch die Kolleginnen und Kollegen aus unserer Dienststelle sich natürlich jederzeit an uns wenden.

00:26:03: Danke Victoria!

00:26:04: Danke für eure Zeit.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.